Erstellt am: 07.10.2011
Gerade erleben wir den Herbst und damit eine der vier Jahreszeiten – Erntezeit. Was im Frühling gesät, im Sommer gehegt wurde, worauf wir uns freuen und gewartet haben, wird jetzt im Herbst reif, nährt uns über den Winter und lässt uns Zeit, Danke zu sagen. Dafür, dass das alles Jahr für Jahr immer wieder so geschieht. Der Rhythmus der Natur bestimmt unser Leben. Wer mein Buch STEUERN.ERFOLG.FITNESS. gelesen hat, findet sich selbst in einer der Jahreszeiten wieder.
Wöchentlich erhalten wir, ob wir wollen oder nicht, seitenweise Angebote, insbesondere von den großen Lebensmittelkonzernketten. Jetzt aktuell mit einer Beilage und mit einseitigen Anzeigen in vielen Tageszeitungen: „Backofen immer frisch von früh bis spät. Frisches von morgens bis abends.“ Frisch, das dürfte klar sein, heißt nicht zwingend: gut! Worauf soll man sich eigentlich freuen, wenn es immer verfügbar ist und, wer braucht das überhaupt: immer frisch von früh bis spät.
Und wie gesund soll das sein, am Abend frisches Brot und frische Brötchen und wie kommt es dazu, dass das logistisch jeden Tag möglich gemacht wird. Wir vergeuden Ressourcen und fahren Teiglinge, die haltbar gemacht wurden, mit LKWs durch´s ganze Land und der Bäcker um die Ecke wartet auf Kunden. Bei jedem Bäcker findet an jedem Arbeitstag so etwas wie alle Jahreszeiten statt. Wenn der Bäcker nach Mitternacht in seine Backstube kommt, erinnern ihn die Kälte, das Mehl und die weißen Wände vielleicht an den Winter. Ganz schnell aber wird es Frühling, wenn der Ofen beginnt aufzuheizen. Wenn die Teige langsam gehen und man erkennen kann, welche Vielfalt von Bäckershand entsteht.
Wie hunderte Brötchen aufgehen, langsam aufbrechen, bis der Moment erreicht ist, wo der Bäckermeister entscheidet, dass jetzt der Sommer beginnt. In die Hitze des Ofens schießt er sein Brot, seine Brötchen und viele andere Leckereien ein und man erlebt, wie Bräune und Rösche entstehen. Alles zum Anbeißen frisch, haltbar oft über mehrere Tage, ehrlich gemacht und mit dem Qualitätsversprechen, das man seinem Bäcker jeden Tag in den Augen ablesen kann, weil man ihn persönlich kennt. Das reiche Angebot in einem kleinen Bäckerladen in den frühen Morgenstunden bis hin zum Mittag reicht für jeden normalen Menschen aus. Am Nachmittag wird es dann einfach weniger.
Weniger an Auswahl, weniger an Menge, weil es auch vernünftig ist, dass wir zum Abend hin weniger konsumieren und schon gar nicht sogenanntes frisches Brot und Brötchen. Das wusste früher jedes Kind und heute erdreisten sich Ketten und Konzerne ein Angebot aufzulegen, das niemand braucht. Keiner hat noch den Herren Aldi, Norma und Lidl in die Augen geschaut und noch keiner hat von ihnen am Abend ein Brötchen oder ein Hörnchen geschenkt bekommen, wie das noch in vielen kleinen Bäckereien üblich ist.
Wenn wir unsere Lebensqualität und damit unsere Freiheit sichern wollen, worauf wir noch vor wenigen Jahren sehr stolz waren, dann müssen wir kleine Unternehmen vor Ort unterstützen! Wenn wir es nicht tun, führt uns die Zukunft hinein in eine neue Sklaverei! In die Abhängigkeit von Ketten und Konzernen, die uns nicht fragen und sich keine Gedanken darüber machen, was wir wirklich brauchen, sondern uns verführen und abhängig machen.
Herbstlich erfrischende Grüße, Thomas Rösch
Richtig lecker ist's beim Bäcker! Nebenan!
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